Pico

 

Pico ist nach Sao Miguel die zweigrößte Insel der Azoren.

Lage: 28º 20' westlicher Länge und 38º 30' nördlicher Breite
Einwohner: ca. 15.000 
Größe: 442 km²
Länge: 42 km
Größte Breite: 15 km

Foto (c) camuna

Pico ist nicht nur der Name der Insel, sondern auch der Name des höchsten Bergs Portugals: mit 2.351 Metern übt er eine hohe Anziehungskraft auf Bergsteiger und Bergwanderer aus. Landschaftlich ist Pico eine der schönsten Azoreninseln. Der Westen der Insel ist geprägt durch den majestätischen Vulkan Pico, dessen zahlreiche schwarzen Lavaströme überall auf der Insel wieder zu finden sind. Auch der Gipfel des Pico ist von der ganzen Insel aus zu sehen. Vor allem dies macht Picos Einzigartigkeit unter den Azoreninseln aus. Selbst die Archtikektur ist durch den Vulkan geprägt: die Häuser sind aus schwarzem Stein erbaut, die Wände sind weiss gekalkt.

 Foto:  fokko

Foto: fokko

Pico und das benachbarte Faial waren Zentren des Walfangs - mittlerweile sind sie bedeutende Orte des sogenannten Whale Watchings. Nachdem der Walfang im Jahr 1983 eingestellt wurde, erinnern heute nur noch zwei Walfangmuseen an vergangene Zeiten. Eines davon liegt in Lajes do Pico, das andere, eine restaurierte Walfabrik, ist in São Roque beheimatet. Hier kann man erleben wie die Wale einst verarbeitet wurden.
Wer Wale in Natura sehen möchte und an einem Whale Watching teilnimmt, hat die Chance auf einige der rund 20 Walarten zu treffen. Am häufigsten verbreitet sind dabei die Pottwale. Zwischen Juni und September/Oktober kommen die Meerestiere nahe an die Küste, um nach Futter zu suchen.


Für Naturliebhaber bietet der Osten Picos eine unglaubliche Naturlandschaft aus Wäldern, Wiesen und Weideland. Alles in einem verführerischen, satten Grün. Wer sich hier auf Pico mit dem Auto auf den Weg macht um das Hochland zu erkunden, entdeckt dabei Seen, Hügelland und viele andere Naturschönheiten. Ein großartiges Naturschauspiel ist es, wenn sich das Bild des Picogipfels hinter den Wolken ständig verändert.
 Für erfahrene Wanderer ist die Gipfelbesteigung des Pico eine außergewöhnliche Erfahrung: Bei klarer Sicht sieht man vom dem Gipfel des majestätischen Berges die vier Nachbarinseln  FaialSao JorgeGraciosa und Terceira.

Highlights

Blick auf den Gipfel des Pico - Foto (c) camuna

Eine Inseltour mit dem Auto gehört auf Pico zum Pflichtprogramm. Es bietet sich an, zunächst so hoch wie möglich auf den Pico herauf zu fahren, um anschließend wieder hinunter auf die inselumrundende Küstenstraße entlang des Meers zu gelangen. Entlang dieser Strecke befinden sich beeindruckende Landschaften und Dörfer die erkundet werden wollen und eine Möglichkeit bieten, sich einen Einblick in das Landleben der Inselbewohner zu  verschaffen.

Für Liebhaber der Botonik empfiehlt es sich die zentrale Straße über die Inselmitte in Richtung Pico zu nehmen. Diese Strasse zieht sich über die gesamte Insellänge, sie führt an zahlreichen Aussichtspunkten und Seen vorbei und bietet endlose Möglichkeiten die üppige Natur zu erkunden.

Das Museum in Lajes erzählt die bewegte Geschichte der Wale und des Walfangs rund um die Azoren. Noch mehr Abenteuer bietet die Teilnahme an einem Whale Watching ausgehend von Lajes oder Madalena.

 Weinbau Azoren - Foto by  coralsee

Weinbau Azoren - Foto by coralsee

Ein weiters Highlight der Azoreninsel Pico ist ihr Wein. Pico war einst bekannt für seinen Verdehlo, ein charaktervoller Weißwein. In den vergangenen Jahre konnten dank neuer Anbau- und Produktionsmethoden, auch wieder andere, sehr gute Weine angebaut werden - machen Sie einfach eine Weinprobe auf einer der Adigas und überzeugen Sie sich selbst.

Wegen der vulkanischen Erde sagt man dem Wein ein ganz besonderes, einzigartiges Aroma nach. Ursprünglich wuchsen die Weinstöcke hinter kleinen Steinwänden, die die Wärme speicherten und gleichzeitig die Pflanzen vor dem salzigen Wind schützten. Diese Methode war sehr aufwendig und wird heutzutage kaum noch angewendet.
2004 wurden die Weinbaugebiete der Insel durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Insulaner Picos haben Ihrem Wein sogar ein eigenes Museum gewidmet, das Museo do Vinho in Madalena do Pico.

 

Geographie

Einer der beeindruckendsten Orte der Insel ist der Gipfel des Pico – es ist das dominanteste Merkmal des Archipels. Pico entstand wahrscheinlich durch sich wiederholende Vulkanausbrüche, die in unterschiedlichen Intervallen stattfanden und einen Kegelvulkan formten. Mit Ausnahme von Sao Jorge sind auf allen Azoreninseln Kegelvulkane zu finden. Andere Beispiele abseits der Azoren sind der Mount St Helens oder der Fuji. Die Lava auf dem Gipfel des Pico ist wahrscheinlich noch keine 1.000 Jahre alt. Der vulkanische Bergrücken im Osten ist älter, ca. 37.000 Jahre. Pico ist damit die jüngste Insel der Azoren.
Auf dem Gipfel des Pico befindet sich der Krater Pico Grande, der einen Umfang von 700 Metern hat und 30 Meter tief ist. Im Vulkankrater befindet sich ein zweiter Gipfel, der 70 Meter hohe Pico Pequeño, der den eigentlichen Gipfel bildet.

 

Geschichte

Rund um das Gebiet der  heutigen Gegend um Lajes, begannen 1460 die ersten Ansiedlungen, hier war lange Jahre gleichzeitig die Hauptstadt und der wichtigste Hafen angesiedelt. Später wurde das Gebiet zum Zentrum der Walindustrie auf den Azoren.

Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Weinproduktion ein bedeutender Teil der Wirtschaft. Der Wein aus Pico wurde in hohen Mengen exportiert, unter anderem nach England und Russland. Die Weinberge, besonders die an der Westküste südlich von Madalena, gehörten einem halben Dutzend Familien aus Horta. Diese kamen den Sommer über nach Pico und überwachten die Trauben- und Weinproduktion,  die großen Sommerhäuser sind bis heute erhalten.
Die damit steigende Bedeutung des Hafens auf der Nachbarinsel Faijal brachte zunehmend Wohlstand auf die Insel und ermöglichte die Entwicklung von Horta und auch Madalena. Horta wurde dabei das Exportzentrum für den Pico Wein. Da sich die beiden Städte direkt gegenüber liegen - nur getrennt durch einen Kanal -  waren sie schon immer sehr eng miteinander verbunden.
Auch heute noch nutzen die Leute die Fähre um von Pico nach Faial zu fahren, um dort Krankenhausbesuche zu machen oder den Supermarkt zu besuchen.
1852 zerstörte der Mehltau fast den ganzen Weinanbau und kurze Zeit später kam durch die eingeschleppte Reblaus die nächste Katastrophe für die Weinbauern. Das brachte großes Leid über Pico und eine Auswanderungswelk begann. Zur Blütezeit der Weinproduktion lebten 32.000 Menschen auf Pico. Nach dem Einbruch der Weinwirtschaft wanderten viele von ihnen nach Brasilien und Kalifornien aus. Um die Überfahrt finanzieren zu können, heuerten viele der Auswanderer auf Walfangschiffen an und mussten mindestens zwei Jahre darauf arbeiten. Die wohlhabenden Weinbau Familien mussten ihre großen Ländereien verkaufen, konnten dadurch aber zumindest kleinere Grundstücke behalten.                                                                                                                          

Später als einige der Insulaner aus Amerika zurückkamen, brachten sie die Isabella Weinrebe mit. Diese war resistenter und man begann erneut mit der Weinproduktion - zunächst allerdings nur für den eigenen Bedarf. Der Vino de Cheiro war aber damit geboren. Zu dieser Zeit begann man auch damit, das auf den Walfangschiffen erlernte Wissen zu nutzen und begann das Geschäft mit dem Walfang.

Der Walfang wurde schließlich auch auf den anderen Inseln populär. Er entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, denn die  Nachfrage nach Walöl war zu dieser Zeit sehr hoch. Es wurde lange Zeit für Lampen und für Maschinen genutzt, bis das wesentlich günstigere synthetische Öl erfunden wurde. Darauf hin schlossen die Walölfabriken und der Walfang verlor an Bedeutung und wurde 1984 komplett eingestellt. Heute sind es die Rinderzucht und die Milchproduktion die die Haupteinnahmequellen Picos ausmachen. In Madalena setzt man zusätzlich auf den Thunfischfang und den Tourismus.